logo 3 small dark

Newsletter

Voll daneben oder auf den Punkt? Die wichtigste Insel der Welt 2 Jahre später

Vor etwa zwei Jahren ist mein Buch erschienen: „Die wichtigste Insel der Welt – Was Sie wissen müssen, um Taiwan zu verstehen“. Seitdem ist viel passiert. Zu viel, um mein Buch noch relevant zu machen? Ich schaue einmal nach.

Kurz nach meinem Buch ist 2024 „Schmales Gewässer, gefährliche Strömung“ von Stephan Thome erschienen. (Wir haben im Taiwancast mit ihm gesprochen.) Und vor wenigen Wochen erst, 2026, „Wenn China angreift“ von Andreas Fulda. Das habe ich gerade gelesen – sehr interessant, und völlig anders als mein Buch oder Thomes. Fulda hat sich auch zumindest für den Moment viel Medienaufmerksamkeit gesichert, inklusive einem Auftritt bei Markus Lanz.

Und weitere Bücher über Taiwan werden folgen. Gut so.

Taiwan braucht Aufmerksamkeit. Auch in Deutschland. Je mehr Menschen darüber diskutieren und je mehr Hintergründe und Zusammenhänge sie verstehe, um so besser.

Cover des Buches "Die wichtigste Insel der Welt: Was Sie wissen müssen, um Taiwan zu verstehen"

Im April 2024 hatte ich die Arbeit an „Die wichtigste Insel der Welt“ beendet, im Juni erschien das Buch. Der letzte Satz lautet:

„Mein größter Wunsch ist, dass es niemand jemals zur Hand nehmen muss, um mehr über Taiwan zu erfahren, weil es zum Kriegsschauplatz geworden ist.“

Seit Anfang 2024 ist viel passiert

So weit ist es zum Glück noch nicht. Doch in den vergangenen Jahren hat die Welt sich weitergedreht, und nicht alles, was passierte, war gut für Taiwan.

Hier einige der wichtigsten Ereignisse seitdem:

Taiwans Präsident Lai Ching-te wird vereidigt. Er ist kein so guter Kommunikator wie seine Vorgängerin, und seine Minderheitsregierung hat vor allem keine Mehrheit mehr im Parlament.

Donald Trump wird wieder US-Präsident. Er lässt die Ukraine hängen, bricht den irrsinnigen und teuren Irankrieg vom Zaun (der wertvolle Munition verschwendet und Kräfte aus Asien abzieht) und erzählt nach seiner Pekingreise gefährlichen Unfug über Taiwan.

Taiwans Oppositionsparteien KMT und TPP entscheiden sich für Fundamentalopposition. Sie legen das Verfassungsgericht lahm und blockieren den Verteidigungshaushalt, mit dem Präsident Lai u.a. das integrierte Flugabwehrsystem „T-Dome“ finanzieren und die heimische Drohnenproduktion stärken will. Von Bürgerinitiativen vorangetriebene Abberufungs-Verfahren gegen KMT-Abgeordnete (mein Blog) scheitern – auch, weil die DPP sich zu deutlich dafür einsetzt. Der Versuch der TPP, eine gebürtige Chinesin als Abgeordnete zu installieren, scheitert. Gegen eine andere, ursprünglich für als Abgeordente vorgesehene Chinesin wird ermittelt wegen des Verdachts der Einflussnahme für China

China führt weitere Militärmanöver rund um Taiwan aus. Offizielle Videos entmenschlichen Präsident Lai als Schädlings-Made, die es verdient, über Feuer geröstet zu werden.

Dieses Video stammt von Chinas Militär. Mit so einem Land haben wir es zu tun.

Ein chinesisches Kampfflugzeug dringt erstmals in Japans Luftraum ein. Später nehmen die Radarsysteme chinesischer Maschinen japanische Flugzeuge als Ziele ins Visier.

Japan und die Philippinen – Taiwans engste Nachbarn neben der Volksrepublik, die von einem Krieg direkt betroffen wären – vertiefen ihre Verteidigungs-Kooperation. Die USA zeigen, dass ihre (noch unter Biden) im Norden der Philippinen stationierten Mittelstrecken-Raketen Ziele in 600 km Entfernung treffen können. Japan will Flugabwehrraketen auch auf der in Sichtweite von Taiwan gelegenen Insel Yonaguni stationieren.

Japans neue Ministerpräsidentin Sanae Takaichi sagt laut, was alle längst wissen: Ein chinesischer Angriff auf Taiwan wäre ein Notfall für Japan. China will sie dafür abstrafen – und schätzt mal wieder die Dynamik öffentlicher Meinung in Demokratien falsch ein. Takaichi ruft Neuwahlen aus und erhält eine große Mehrheit.

KMT-Chefin Cheng Li-wun trifft Xi in Peking und macht keinen Hehl aus ihrem chinesischen Ethnonationalismus – mit dem eine Mehrheit der Taiwaner nichts anfangen kann.

Und so weiter. Würde ich mein Buch überarbeiten, gäbe es Stoff für mehrere neue Kapitel.

Aber das heißt zum Glück nicht, dass es nicht mehr aktuell ist.

Was ich heute noch genauso sagen würde

Ich kannte die Zukunft nicht, aber die grundlegenden Entwicklungen habe ich erkannt – und auch benannt.

Hier einige Zitate aus meinem Buch, die heute noch Gültigkeit haben:

„Taiwaner sind Bürger, keine Untertanen. Jenseits von Drohungen kann China ihnen nichts mehr bieten. Ohne diese Bedrohung würde eine Mehrheit der Taiwaner wohl historische Reliquien – wie die 1947 für ganz China geschriebene Verfassung – abstreifen wollen, um ein ganz normaler Staat zu werden. Um so eine Unabhängigkeit von der ROC würde es Streit geben, aber das wäre normal in einer demokratischen Gesellschaft, die um ihren Weg ringt. Nicht normal ist, dass diese Diskussion von außen unterbunden wird. So kommt es, dass immer weniger Taiwaner sich als chinesisch identifizieren. Zugleich ist die Republik China noch immer der einzige Staat, den sie haben und in der aktuellen Situation haben können.“ Seite 173

Die Flagge der Republik China weht über Taiwan.

„Extrem sind nicht die Taiwaner, die ihr Schicksal selbst bestimmen wollen. Der Unruhestifter, Aggressor und Status-quo-Verschieber ist Peking, das die Region und die Welt in einen Krieg zu reißen droht – wegen einer Insel, die nie zur Volksrepublik gehörte und deren Bewohner sich ihr mit parteiübergreifender Mehrheit auch nicht unterordnen wollen.“ Seite 181

„Niemand außer China hat Interesse an Instabilität in der Taiwanstraße. Es geht nicht nur um Taiwan. Und der Frieden wäre nicht bewahrt, würde man China seinen Willen lassen und Taiwans Freiheit opfern. Mit der Ukraine ist es ähnlich: Polen und die baltischen Staaten wissen genau, dass Russland nach einem Sieg nicht befriedigt, sondern noch gefährlicher wäre. Appeasement in Sachen Taiwan würde Pekings Aggression und Expansionismus erst recht befeuern. Deshalb kann sich am Schicksal Taiwans die Zukunft der bestehenden Weltordnung entscheiden.“ Seite 228

„Inzwischen hat Trump die Republikaner fast komplett auf Personenkultlinie gebracht. Nach einem Wahlsieg 2024 könnte er seine Administration nur noch mit hundertprozentig Getreuen besetzen, von denen kein guter Rat mehr zu erwarten wäre. Taiwan müsste dann darauf hoffen, dass in Washington wenigstens noch Kongressabgeordnete und Generäle in seinem Sinne argumentieren.“ Seite 232

2023 besuchte Forschungsministerin Stark-Watzinger Taiwan. Wann kommt wieder ein Bundesminister?

„Die Zeiten, in denen man seine Werte China gegenüber kompromittieren konnte und im Gegenzug selbst profitierte, sind vorbei. Deutschland ist noch dabei, das zu realisieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob man eine werte- oder interessengeleitete Außenpolitik verfolgt. Ob aus idealistischen, wirtschaftlichen oder geostrategischen Gründen – es gibt viele gute Gründe, Taiwans Freiheit zu schützen.“ Seite 234

Machen Sie sich schlau

Details ändern sich. Die großen Linien nicht.

Mehr als 3000-mal hat sich „Die wichtigste Insel der Welt“ schon verkauft. Falls Sie das Buch noch nicht kennen, würde ich mich freuen, wenn Sie das nachholen. Was ich über Taiwan und die Welt zu sagen hatte, gilt heute noch genauso.

Das Buch gibt es für 20 Euro überall: In der Buchhandlung ihres Vertrauens. Bei Amazon. Oder als E-Book (auch PDF) direkt beim Verlag.

Wenn Sie mir einen besonderen Gefallen tun möchten, bestellen Sie hier bei Autorenwelt.de – ohne Registrierung, ohne Versandkosten. Denn dort erhalten Autoren wie ich eine Extrabeteiligung und haben ein wenig mehr von unserer Arbeit.

Was andere sagen

Wichtige Hintergründe und Zusammenhänge zu erzählen, das war mein Ziel. Nachvollziehbar, spannend, mit Aha-Effekten in jedem Kapitel.

Worüber ich mich besonders freue, ist das Leserfeedback. Vielleicht finden Sie es auch aussagekräftig.

Hier einige Beispiele:

Ich bin Ihnen Errata schuldig

Mein Buch ist – das sage ich mit der angebrachten Mischung aus Bescheidenheit und Selbstbewusstsein – recht gut gelungen. Es ist aber nicht perfekt.

Einige Ungenauigkeiten und, ja, auch Fehler sind mir aufgefallen, seit es erschienen ist.

Nicht Schlimmes. Denke ich. Aber ärgerlich genug, dass ich sie transparent korrigieren möchte.

Daher wird einer meiner nächste Blogbeiträge die Errata für „Die wichtigste Insel der Welt“ auflisten.

Bis dahin!

Facebook
Twitter
Email
Klaus Bardenhagen

Klaus Bardenhagen

Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Immer informiert über Taiwan auf Deutsch: Für meinen Newsletter anmelden

Immer informiert über Taiwan auf Deutsch:

Für meinen Newsletter anmelden