Die musikalischen Müllwagen von Taiwan

Anzeiger 06 Müllabfuhr

Ich mag diese Momente der Ruhe, wenn meine Nachbarn sich im sanften Licht der Straßenlaternen vor dem Haus versammeln, wenn die A-ma von gegenüber erfreut unser Altpapier und die Plastikflaschen auf ihrem Wertstoff-Handwagen verstaut, und wenn schließlich die Müllabfuhr anrückt. Ich mag es, meinen blauen Müllbeutel eigenhändig mit Schwung in die Presse zu werfen. Und mir tun alle leid, die in Taipehs großen Wohnanlagen leben und dieses Gemeinschaftsgefühl nie erleben dürfen.

Die Müllentsorgung in Taipeh ist Thema für die neueste Folge meiner kleinen Taiwan-Kolumne im heimatlichen Anzeigenblatt:

Zugegeben, ich bin nicht der erste Ausländer, der dem Charme der Müllabfuhr erlegen ist. Es gibt diesen Artikel auf der Regierungs-Website www.culture.tw, und vor einigen Jahren hat Kollegin Stefanie Suren im Rahmen ihrer tollen Radio-Serie “Taiwan für Anfänger” einen Beitrag (.mp3) produziert (momentan leider offline), der keine Fragen offenlässt – auch, was die Frage angeht, wieso eigentlich “Gebet einer Jungfrau” und “Für Elise” die offiziellen Müllwagen-Musiken von Taiwan sind.

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Klaus Bardenhagen

Klaus Bardenhagen

Comments

5 Antworten

  1. Lieber Klaus,
    ich finde es schön, dass du dich mit der taiwanesischen Art der Müllentsorgung anfreunden konntest. Ich lebe in Shulin und hier sieht das leider etwas anders aus. Zum einen habe ich hier einen Vollzeit Job gehabt und ständig den Müllwagen verpasst. Er kommt entweder wenn ich unter der Dusche bin oder noch bei der Arbeit. Denn hier kommt der Müllwagen leider immer zu einer anderen Zeit. Das zweite Problem: Ich lebe in einer kleinen Alley, umgeben von kleinen Lanes. Ich weiß noch nicht einmal zu welcher Straße ich gehen muss, um den Müllwagen zu erreichen und bis ich den Weg zur nächstgrößeren Straße finde ist der Müllwagen schon weg. Einmal in den knapp 3 Monaten die ich hier bin habe ich das Müllfahrzeug erwischt. Ich kann gut nachvollziehen was du mit Gemeinschaftsgefühl meinst, wenn sich alle Leute versammeln um ihren Müll zu entsorgen. Wenn man aber wie ich eine 22-jährige Blondine ist und in Shulin lebt, dann erlebt man das nicht wirklich. Die Leute starren mich immer nur an, Englisch sprechen sie leider auch nicht und wenn ich meine Nachbarn mit Nihao begrüße verneigen sie nur ehrfürchtig ihren Kopf und bringen kein Wort raus.
    Da deine Müllbeutel blau sind lebst du ja in Taipei City. In Taipei County sind sie pink, und das ist die Müllentsorgung leider nicht so toll wie in Taipei.
    Nur damit du mal eine Story aus dem Umland von Taipei hörst 🙂 Ich habe auch einen Blogpost zu diesem Thema verfasst: http://kristin-atw.blogspot.com/2010/09/trash-car.html

    Und als Vorschlag für deinen neuen Blogtitel: (XXXvorübergehend unkenntlich gemachtXXX)

    Ich finde deinen Blog echt toll und es ist schön, über die Erfahrungen anderer in Taiwan zu lesen 🙂
    Viele Grüße, Kristin

  2. Hallo Kristin,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Ist immer gut, wenn man merkt, dass eine Sache ganz unterschiedliche Aspekte haben kann.

    Dein Blog würde ich – wäre es in deutsch – glatt in meine Blogroll aufnehmen. Selbst, wenn Deine Zeit in Taiwan nun bald abgelaufen ist.

    Die URL-Idee ist große Klasse, ich werde mal eine Nacht drüber schlafen. Hast aber gute Chancen auf den Hauptgewinn-Bubble Tea!

  3. Ich hatte in den 6 Jahren meines Aufenthaltes in Taipei die musikalische Müllabfuhr sehr lieb gewonnen. Auch wenn ich Dank eigener Entsorgung am Haus nicht den täglichen Gang antreten musste, so wusste ich zumindest ziemlich genau wie spät es war, wenn die Musik ertönte.
    Für alle Freunde, die Taiwan verlassen mussten, gab es von uns ein besonderes Geschenk: Ein gelbes originales Müllauto im Miniformat fürs Regal. (Bezugsquelle: Spielwarenabteilung Mitsukoshi in TianMu) Auf Knopfdruck spielt es die “Elise” ab. Auch bei uns steht es im Regal und wenn uns die Sehnsucht nach Taiwan zu sehr drückt, wird der Knopf gedrückt…

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