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"Wir haben heute einen Gast aus Deutschland…"

Spätestens seit meinem ersten Besuch im Deutschen Kulturzentrum in Taipeh wollte ich wissen: Wie funktioniert das, wenn Taiwaner Deutsch lernen?

Vielleicht kennt Ihr das Gefühl: Immer, wenn ich ein bisschen über die Feinheiten des Deutschen nachdenke, bin ich heilfroh, dass ich meine Muttersprache sozusagen instinktiv beherrsche und keine Dativ-Genitiv-männlich-weiblich-Tabellen samt Ausnahmeregeln auswendig lernen muss. Deutsch ist bestimmt nicht die einfachste Sprache für Ausländer. (Chinesisch auch nicht, aber das ist diesmal ausnahmsweise nicht das Thema.)

Über das Kulturzentrum habe ich Heinz Lohmann kennen gelernt, der seit 25 Jahren in Taiwan lebt und hier Deutsch unterrichtet. Er hat mich zunächst mal in seinen Fortgeschrittenen-Kurs am Kulturzentrum eingeladen, wo ich etwas über Medien in Deutschland erzählen durfte.

Die Studenten in diesem Kurs lernen zum Teil schon seit über zehn Jahren Deutsch und sind ziemlich fit. Weil die meisten von ihnen arbeiten, findet der Kurs am Samstag statt. Da sitzt die Rechtsanwältin neben der Computerexpertin, die Staatsanwältin neben der Englischlehrerin.

Da das Thema im Lehrbuch gerade „Medien“ ist, konnte ich über öffentlich-rechtliches Fernsehen erzählen, über die Unterschiede von ARD, ZDF und dritten Programmen, deutsche Tageszeitungen, die Arbeit in einer Nachrichten-Redaktion und auch darüber, warum Themen aus Taiwan in deutschen Medien, vor allem im Fernsehen, so selten eine Rolle spielen.

Ziemlich komplexe Themen also, aber die Studenten mussten nur ganz selten nach der Bedeutung eines Wortes fragen, haben viele Fragen gestellt und auch von der Situation in Taiwan erzählt. Die Privatsphäre von Politikern wird hier z.B. offenbar so gut wie gar nicht respektiert, beim kleinsten Anlass wird auch ihre Familie von Kamerateams verfolgt. Bei den privaten Nachrichtensendern ersetzt Skandalisierung oft die Politikberichterstattung.

Ein paar Tage später hat Heinz Lohmann mich dann an seine Hochschule eingeladen, die Soochow-Universität. Dort gibt es eine Deutsch-Abteilung, in der er als Dozent arbeitet.

Ich habe einen Kurs mit Studenten besucht, die seit drei Jahren Deutsch lernen. Sie sind alle Anfang 20. Einige von ihnen waren gerade für ein Jahr an der Uni Münster, da gibt es ein Austauschprogramm.

Auch diese Studenten beherrschen die deutsche Sprache richtig gut, Aussprache und auch Grammatik. Sehr beeindruckend. Da es ein Konversations-Kurs war, haben sie sich vor allem miteinander unterhalten und gegenseitig befragt (mich auch), und zwar zum Thema „Sport“: Treibst Du regelmäßig Sport? Warum ist Sport gesund? Kann Sport auch gefährlich sein? Warum betreiben manche Leute Extremsportarten? Außerdem habe ich festgestellt, dass sie dank ihres Lehrbuchs z.B. mehr über die Biografie von Reinhold Messner wissen als ich.

Unterm Strich habe ich zwar nicht wirklich mitbekommen, wie Ausländer die deutsche Sprache mit all ihren Feinheiten lernen. Aber dass es funktionieren kann, und sogar ziemlich gut, weiß ich jetzt.

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Klaus Bardenhagen

Klaus Bardenhagen

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